Einführungsworkshop zum Ökofeminismus

Am 07. November 2025 durfte ich einen Workshop zum Thema Ökofeminismus halten. Ökofeminismus begleitet mich schon seit Beginn meines Studiums im EST Master. Zum ersten Mal intensiver begegnet ist er mir im Eingangskolloquium, als wir The Death of Nature von Carolyn Merchant gelesen haben. Seitdem taucht er immer wieder in meinen Seminararbeiten, Diskussionen und schließlich auch in meiner Masterarbeit auf. Gleichzeitig wuchs mit der Zeit ein Unbehagen: Ökofeminismus blieb für mich oft etwas, das man liest, analysiert und theoretisch einordnet, obwohl er historisch aus sozialen Bewegungen, aus kollektivem Widerstand und aus konkreter Praxis entstanden ist.

Aus diesem Spannungsfeld heraus entstand die Idee für meinen Workshop zur Einführung in den Ökofeminismus, den ich im Rahmen des Vertiefungsmoduls im EST Master durchführen durfte. Mir ging es darum, einen Raum zu schaffen, in dem ökofeministisches Denken nicht nur vermittelt, sondern gemeinsam erarbeitet werden kann.

Doch was ist Ökofeminismus überhaupt?

Kurz gesagt verbindet Ökofeminismus ökologische Fragen mit feministischen, dekolonialen und herrschaftskritischen Perspektiven. Er fragt danach, wie die Ausbeutung von Natur, Körpern und Sorgearbeit historisch zusammenhängt und welche alternativen Formen des Zusammenlebens möglich sind. Dabei handelt es sich weniger um eine einheitliche Theorie als um ein vielfältiges, oft widersprüchliches Feld, das aus politischen Bewegungen heraus entstanden ist und sich ständig weiterentwickelt.

Genau diese Bewegungsnähe wollte ich im Workshop sichtbar machen. Nach einem kurzen Input zu historischen Entwicklungslinien und zentralen Strömungen des Ökofeminismus arbeiteten wir deshalb intensiv mit konkreten Praxisbeispielen.

Assoziationen zur Frage "Was ist Ökofeminismus?"

In Kleingruppen setzten sich die Teilnehmenden mit der Green Belt Movement aus Kenia, der Women’s Pentagon Action aus den USA und der Aktion Muttermilch aus der BRD der 1980er-Jahre auseinander. Statt Theorie vorzugeben, ging es darum, aus diesen Beispielen heraus selbst ökofeministische Zusammenhänge zu erkennen:

Wie verbinden sich ökologische Fragen mit feministischen Anliegen? Welche Formen von Wissen entstehen?

Diese Herangehensweise hat sich als sehr produktiv erwiesen. Die Diskussionen waren engagiert, kreativ und differenziert, und immer wieder wurde deutlich, wie viel analytisches Potenzial in der gemeinsamen Arbeit an konkreten Fällen liegt.

Ergebnisse der Gruppenarbeit zur GBM - Green Belt Movement
Ergebnisse der Gruppenarbeit zur WPA - Women's Pentagon Action

Am Nachmittag öffneten wir den Blick weiter in Richtung queerer Ökologien und diskutierten Spannungsfelder innerhalb des Ökofeminismus: etwa das Verhältnis von ökologischer Verantwortung und feministischer Emanzipation oder die Frage nach Rechten der Natur. Den Abschluss bildete ein utopisches Atelier, in dem die Teilnehmenden ökofeministische Zukunftsvisionen entwickelten:

Wie könnte eine Universität aussehen, die feministische Epistemologien ernst nimmt? Welche Rolle könnte Care in sozial-ökologischen Transformationen spielen?

Ich habe den Tag als sehr spannend und produktiv empfunden und möchte mich an dieser Stelle noch einmal bei allen Teilnehmenden bedanken. Um den Austausch nicht abreißen zu lassen, haben wir im Anschluss eine kleine Vernetzungsgruppe gegründet, außerdem habe ich eine umfassende Literaturliste zusammengestellt (die ich sehr gerne auch an alle weiterleite, die Interesse am Thema Ökofeminismus haben – schreibt mir dafür einfach). Darüber hinaus stehe ich auch weiterhin als Ansprechpartnerin für ökofeministische Fragen zur Verfügung, sei es für Seminar- oder Abschlussarbeiten oder für die Idee weiterer Workshops und Austauschformate.

Zudem möchte ich meine Kommiliton*innen ermutigen, Ähnliches im Rahmen von M4 durchzuführen und Themen in unseren Studiengang einzubringen, die euch interessieren und für die ihr brennt. Gerne könnt ihr mir auch schreiben, wenn ihr Fragen zur Umsetzung habt.

Für mich war dieser Workshop ein schöner Abschluss meines Studiums – und hoffentlich ein kleiner Anstoß, ökofeministisches Denken im EST weiterzutragen.


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